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Alle kennen und fürchten Sie und fast jedes zweite Aquarium hat es schon einmal erlebt: Algen. Es ist fast nicht möglich, ein Aquarium algenfrei zu halten, lediglich ein algenarmer Zustand lässt sich realisieren, denn Algensporen sind überall und ein Einschleppen mit Wasser oder Aquarienpflanzen lässt sich nicht vermeiden. In diesem Ratgeber geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die in unserem Aquarium vorkommenden Algen, danach zeigen wir Ihnen die möglichen Ursachen für eine Algenplage und geben Ihnen Lösungsvorschläge.

Algen sind Pflanzen
Bis auf die Blaualgen, die zu den Bak-terien zählen, sind Algen Pflanzen, die zum Leben das gleiche brauchen wie unsere Aquarienpflanzen: Licht, Kohlendioxyd und Nährstoffe. Algen stehen jedoch in der Entwicklung unter den „höheren Pflanzen“ und sind deshalb in ihren Ansprüchen flexibler.



Die Algenarten
Es gibt mehrere tausend Algenarten und die hier vorgestellte Einteilung ist wissenschaftlich wenig bis gar nicht korrekt, hilft aber im Aquarienalltag.



Grünalgen
Grünalgen gibt es in den verschiedensten Formen: kleine und punktförmige Flecken (gut zu sehen an den Scheiben) oder auch lange Fäden. Grünalgen können ein Indikator für eine hohe PO4-Konzentration sein.


Braun- oder Kieselalgen
Ein Grund, zu geringe oder schon zu alte Beleuchtung. Kieselalgen überziehen die Scheiben und Dekoration mit einem bräunlichen Belag, der nur sehr schwierig mechanisch zu entfernen ist. Ein zu hoher Silikatwert bedingt durch Leitungswasser ist zu vermeiden, da die Kieselalgen ihr Gehäuse aus Silikat aufbauen.



Bart- und Pinselalgen (Rotalgen)
Kurze Büschel oder lange, leicht krause Fäden, so sehen die gefürchtetsten Algen aus. Sind sie einmal da, hat man ein mittelgroßes Problem und muss ganz genau vorgehen. Bartalgen sehen so ähnlich aus wie Grünalgen, den Unterschied kann man erkennen, indem man den Prüfling in Spiritus einlegt: Bartalgen (Rotalgen) werden rot, Grünalgen bleiben grün. Besonders gern setzen sich Pinselalgen an die Blattränder langsam wachsender Wasserpflanzen. Sie mögen starke Strömungen, hohe pH-Werte und wenig Kohlendioxyd.



Blau- oder Schmieralgen
Einige Merkmale dieser „Algengruppe“, z.B. das Fehlen eines Zellkerns, spricht für die Zuordnung zu den Bakterien. Feststellen, dass der Zellkern fehlt, kann der Aquarianer ohne Mikroskop nicht, aber die Wachstumsgeschwindigkeit ist mit bloßem Auge zu erkennen. Blaualgen überziehen sehr schnell Boden, Dekoration und Scheiben mit einem schmierigen, blaugrünen oder schwarzen Belag. Das Aquarium riecht unangenehm. Blaualgen sind nicht nur ziemlich hässlich, sondern auch sehr gefährlich, denn sie scheiden durch ihren Stoffwechsel sogenannte Toxine aus (Giftstoffe, genau wie andere Bakterien auch).



Algenprobleme haben immer mehrere Ursachen
Treten Algen in einem Aquarium in Massen auf, ist das in den meisten Fällen ein Zeichen, dass irgendetwas nicht stimmt. Denn der beste Algenschutz ist ein „rund“ laufendes Aquarium mit prächtig wachsenden Aquarienpflanzen, die den Algen als Nährstoffkonkurrenten die Nahrung streitig machen. Wenn bei Ihnen Algen zum Problem werden, überprüfen Sie bitte die folgende Checkliste.

Licht
Gerade bei zu wenig Licht und erhöhten Silikat-Werten kommen Kieselalgen auf. Abhilfe schafft hier eine Verstärkung der Beleuchtung. In Versuchen hat man herausgefunden, dass höhere Pflanzen – also auch unsere Aquarienpflanzen – Licht mit langwelliger, roter Strahlung bevorzugen. Algen hingegen mögen lieber blaues und UV-Licht. Anti-Algen- Leuchtstoffröhren wie z.B. von Dennerle, besitzen zum Teil einen Sperrfilter, der UV-Licht aus dem Spektralbereich herausfiltert. Sind Leuchtmittel zu alt, verschiebt sich das abgestrahlte Lichtspektrum und die Leuchtkraft lässt nach. Das kann mit bloßem Auge nicht gesehen werden, aber die Wasserpflanzen reagieren mit Wachstumsreduzierung, was wiederum das Algenwachstum fördert. Unser Tipp: Schreiben Sie mit einem Edding auf das Leuchtmittel, wann Sie es gewechselt haben. Aber auch bei zuviel Licht gedeihen Algen prächtig. Eine Beleuchtungszeit von 10 Stunden sollte nicht überschritten werden. Denn nach ca. 8 – 10 Stunden sind die Wasserpflanzen mit ihrer Photosynthese fertig. Gute Erfahrung haben wir bei Algenproblemen mit einer Abdunklung von 1 – 2 Tagen und einer nachfolgenden Beleuchtungszeit von 8 – 9 Stunden pro Tag gemacht.

Filter
Treten Algenprobleme auf, sollten Sie auch Ihren Filter überprüfen. Häufig ist es so, dass gerade bei schon lange nicht mehr gesäuberten und komplett verschlickten Filtern Algen aufkommen. Aber wie immer macht auch hier die Dosis das Gift: Zuviel Hygiene schadet dem Filter und ist für ein gut funktionierendes Aquarium schädlich. Der Redox-Wert ist ein guter Indikator für den Hygienestatus des Aquariums. Ist er zu hoch, ist es zu sauber, ist er zu niedrig, ist das Aquarium zu stark belastet. Ein hervorragend zur Algenreduzierung geeignetes Gerät ist ein UV-C-Wasserklärer. Hierbei wird das Wasser mit UV-Strahlung von Algensporen, Krankheitserregern usw. gereinigt. Der Effekt ist schnell sichtbar und schon ein wenige Stunden am Tag zugeschalteter UV-C-Wasserklärer reduziert das Problem erheblich, allerdings nicht bei Blaualgen.

Nitrat und Phosphat
Diese beiden Wasserwerte sind „die Belastungen von gestern und vorgestern“ und entstehen aus dem Abbau von organischem Material wie Futterresten, Pflanzenteilen, Fischkot und -urin, usw... Pflanzen benötigen Phosphat und Stickstoffverbindungen zum Wachsen, aber Algen sind geradezu verrückt nach diesen Stoffen. Bei Algenproblemen sollten Sie sofort den Nitrat- und Phosphatgehalt (Tests von JBL oder Tetra) messen. Die empfohlenen Höchstwerte liegen bei: Nitrat max. 25 mg/l und Phosphat max. 0,5 mg/l. Ein regelmäßiger Wasserwechsel (25 % 1 x pro Woche), mäßige Fütterung und nicht zu viele Fische sorgen dafür, dass sich Schadstoffe nicht anreichern können. Rowa phos und Phos-Zac sind Filtermaterialien, die den Phosphat-Wert reduzieren. Gegen Nitrat hilft eine auch denitrifizierende (nitratabbauende) Filterung wie z.B. Maximal-Filter mit Füllkörpern, der Nitratreduktor von Aqua-Medic, der Schwefel-Nitratfilter von Ratz oder Nitrex. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Ratgeberkapitel Stickstoffkreislauf.

Biologische Algenbekämpfung
Gute Helfer sind schnellwachsende Wasserpflanzen und algenfressende Tiere. Saugwelse wie Otocinclus, Ancistrus, Neocardina sp.-Garnelen oder Zebra-Rennschnecken sind unermüdliche Helfer.

Chemische Algenbekämpfung
Sollte immer nur zur Unterstützung der oben beschriebenen Ursachenänderung vorgenommen werden und ist nicht die alleinige Lösung. Die Ursachen und nicht die Symptome müssen bekämpft werden. Die meisten Anti-Algen-Präparate müssen exakt nach der Dosieranleitung verwendet werden, da bei einer Überdosierung Fische und Pflanzen geschädigt werden können. Ebenso sollte man bei Aquarien mit Garnelenbesatz keine kupferhaltigen Anti-Algenmittel verwenden. Vor Anwendung sollten soviel Algen wie möglich entfernt werden, um die organische Belastung nach der Behandlung zu verringern